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Warum ist es schwedische Design, dass zu Weltruf gelangte? Und warum ist Kunsthandwerk in Schweden noch so weit verbreitet, während es in Deutschland bestenfalls noch in traditionellen Urlaubsorten und auf Weihnachtsmärkten präsent ist?

Der Anfang des schwedischen Designs scheint eher unbedeutend. Ende des 19 Jahrhunderts hatte die Arts and Crafts Bewegung in England ihren Höhepunkt. Carl Larsson und seine Frau Karin Larsson ließen sich in ihren Aquarellen, Möbel und Textilien von dieser Bewegung inspirieren. Die Porzellan-Manufakturen Gustavsberg und Rörstrand ließen die Künstler Gunnar Wennerberg und Alf Wallande Serien entwerfen, die ebenfalls diesem freundlichen, hellen Stil gehorchten. Die Objekte wurden auf der Weltausstellung 1897 der Öffentlichkeit vorgestellt.

Beeindruckt von der Freundlichkeit, die diese Stücke ausstrahlten, schrieb die Reformpädagogin Ellen Key den Aufsatz „Schönheit im Heim", der weite Verbreitung fand. 1889 forderte sie in einem weiteren Ausatz „Schönheit für alle". Gregor Paulsson, ein schwedischen Kunsthistoriker, veröffentlichte 1919 das Buch „Schönere Alltagsgegenstände“ .

Dass diese Ansätze nicht schon lange vergessen sind und sich daraus das heute noch bedeutende "schwedische Design entwickeln konnte, lässt sich nur über die politische Geschichte des Landes erklären: Durch seine zahlreichen Eisenvorkommen und mit der Industrielle Revolution (Schwedenstahl) kam Schweden zu enormen Reichtum. Der hohe Bedarf der Industrie an Arbeitskräften führte zu einer Erstarkung der Arbeiterbewegung. Von 1900 bis 1930 entwickelte sich Schweden zu einer der führenden Industrienationen der Welt. 1917 traten zum ersten Mal Vertreter der Sozialdemokratie in die Regierung ein und ab 1930 bis zum Ende des Jahrhunderts hatte Schweden fast ausschließlich sozialdemokratische Regierungen. Vor diesem politischen Hintergrund wurden zahlreiche Ideen des Sozialismus übernommen. Das Ergebnis war der schwedische "Wohlfahrtsstaat" „Jedem nach seinen Fähigkeiten zu jedem nach seinen Bedürfnissen" war eine der sozialistischen Grundideen.

Einer große Stockholmer Ausstellung für Architektur, Design und Kunsthandwerk im Jahr 1930 verhalf diesem Designgedanke zum Durchbruch. Die stilistischen Grundgedanken kamen vor allem aus Deutschland: Vom Deutschen Werkbund und der Bauhaus-Bewegung.Diese schwedische Variante der Moderne war etwas gemäßigter sozialistisch als in anderen Teilen Europas. Man wollte Architektur und Design nicht zur politischen Frage machen. Auch gab es Gegner diese minimalistisch schnörkellosen Stils, der die Funktion in den Vordergrund stellte. Vier Millionen Schweden (Zum Vergleich: heute hat Schweden ca. 9,5 Millionen Einwohner) besuchten in nur knapp 5 Monaten diese Austellung. Die berühmte Glasbläserei Orrefors stellte eine ganze Serie von geometrisch geformten, schnörkellosem Haushaltsglas vor und moderne, elektrische Haushaltgeräte wurden vorgeführt, Musterwohnungen, effizient in der Raumaufteilung, komfortabel in der Ausstattung und minimalistisch möbliert konnten begangen und der erste Hot-Dog Kiosk besichtigt werden.

Die sozial-demokratische Regierung leistete dieser Entwicklung Vorschub: Reihenhaussiedlungen wurden nach dem diesen Vorbildern errichtet und Wohnungsblocks mit Müllschlucker und Zentralheizung erbaut.Während der 40er Jahre befasste sich das Design vor allem mit Gegenständen des Haushaltes. Frauen wurden als Arbeitskräfte gebraucht. Deshalb musste der Haushalt effizienter gestaltet werden.In den 50er wurde immer konsequenter Industriedesign betrieben. Neue Materialien und Herstellungsverfahren waren hierfür ausschlaggebend: Electrolux, Husquarna, und Ericsson brachten neue, effizientere Haushaltsgeräte auf den Markt. Saab baute sein erstes Auto in Stromlinienform.

Ein weiterer Meilenstein war 1955 die Weltausstellung H55 in Helsingborg. Das, was sich als Schwedens Design-Elite empfand stellte dort aus und es wurden neue Talente entdeckt. Sigurd Persson von der Stockholmer Kunsthochschule Konstfack entwarf Schmuck, Küchenutensilien und Glasgegenstände. Stig Lindberg formte für die Porzellan- Manufaktur Gustavsberg. Ingeborg Lundin gestaltete feine Glasobjekte für Orrefors. Sven Palmqvists Schalenserie „Fuga“ aus zentrifugiertem Glas war eine technische Neuheit. Nils Strinning entwarf ein Regal aus nylonüberzogenem Stahldraht mit Regalböden aus Teak – in den 50er Jahren ein „Muss“ in jedem Heim. Auch Signe Persson-Melins Keramik-Gewürzdosen sind typisch für den schwedischen Haushalt der 50er Jahre.

Neue Produkte, Materialien und Produktionsverfahren führten zu einer getrennten Entwicklung von freiem Kunsthandwerk und Industrie-Design.Das Kunsthandwerk der 60er Jahre waren von Experimentierfreude geprägt. Die Phantasie, der plötzliche Einfall wurden umgesetzt. Alles wurde farbenfroher, traditionelle Stile und Techniken respektlos im neuen Zusammenhang benutzt, verfremdet und neue Techniken eingeführt. So faszinierend die Vielfalt, war doch nicht alles so gut, dass es bis heute Gültigkeit besitzt. Mitte der 70er folgte eine Zeit der Konsolidierung. Kunsthandwerk und Design benutzten Techniken und Gestaltung wieder in ihrem ursprünglichen Zusammenhang. Die Veränderung fand im Detail statt.

In jüngster Zeit beginnen einige Künstler wieder, die Traditionen zu hinterfragen. Design und Techniken werden experimenteller, weniger funktional. Die Grenzen zwischen Kunst, Kunsthandwerk und Design verwischen. Auf der anderen Seite gibt es viele, die an den traditionellen Grundsätzen festhalten und hiermit weltweit Erfolg haben. Kunsthandwerk und Design sind in Schweden also außerordentlich lebendig. 2005 war das Jahr des Designs. Im ganzen Land das ganze Jahr über fanden Tagungen, Ausstellungen und Messen statt, auf denen Künstler und Designer sich präsentierten und miteinander diskutierten. Die Besucherzahlen dokumentierten, von welch öffentlichem Interesse Kunst und Design auch heute noch in Schweden sind.


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© 2011 Elke Maaß